Biomarker und Therapien: gesichert, experimentell oder ungeklärt?

Stand der Forschung

Welche Tests und Behandlungen bei Post-Vac etabliert, Off-Label, experimentell oder ungeklärt sind – und wie sich seriöse Angebote von überzogenen Versprechen unterscheiden lassen.

BiomarkerTherapieOff-LabelPost-Vac-TestPEMPacing

Menschen mit länger anhaltenden Beschwerden nach einer COVID-19-Impfung stoßen häufig auf Angebote für besondere Laboruntersuchungen, sogenannte Post-Vac-Tests oder verschiedene Therapieverfahren.

Dabei ist die wissenschaftliche Einordnung oft schwierig.

Manche Untersuchungen gehören zur etablierten medizinischen Diagnostik. Andere werden derzeit wissenschaftlich erforscht. Wieder andere werden bereits kommerziell angeboten, obwohl ihre Aussagekraft für Post-Vac bislang nicht ausreichend belegt ist.

Ähnliches gilt für Behandlungen.

Derzeit gibt es weder einen einzelnen validierten Biomarker noch eine spezifisch für ein einheitlich definiertes Post-Vac-Syndrom zugelassene Therapie.

Das bedeutet jedoch nicht, dass keine medizinische Behandlung möglich ist. Diagnostizierbare Erkrankungen und einzelne Beschwerden können entsprechend der jeweiligen Diagnose behandelt werden.

Auf dieser Seite unterscheiden wir deshalb zwischen:

Etabliert – medizinisch anerkannte Diagnostik oder Behandlung für eine konkret festgestellte Erkrankung oder ein Symptom

Off-Label – ein zugelassenes Arzneimittel wird außerhalb seiner eigentlichen Zulassung eingesetzt

Experimentell – Verfahren oder Wirkstoffe werden wissenschaftlich untersucht, ihre Wirksamkeit und Sicherheit für Post-Vac sind aber noch nicht ausreichend belegt

Ungeklärt – Aussagekraft oder Nutzen sind bislang nicht ausreichend wissenschaftlich nachgewiesen

Was ist ein Biomarker?

Ein Biomarker ist ein objektiv messbares biologisches Merkmal.

Das kann beispielsweise sein:

  • ein Laborwert im Blut
  • ein bestimmtes Protein
  • ein Antikörper
  • ein Stoffwechselprodukt
  • ein Messwert der Gefäßfunktion
  • ein bildgebender Befund
  • ein physiologischer Messwert

Ein Biomarker kann unterschiedliche Aufgaben haben.

Er kann beispielsweise helfen:

  • eine Erkrankung zu erkennen
  • verschiedene Erkrankungen voneinander zu unterscheiden
  • den Schweregrad einzuschätzen
  • einen Krankheitsverlauf zu beobachten
  • das Ansprechen auf eine Behandlung zu beurteilen

Nicht jeder auffällige Laborwert ist jedoch automatisch ein diagnostischer Biomarker.

Gibt es einen Post-Vac-Test?

Derzeit gibt es keinen einzelnen allgemein validierten Test, mit dem ein Post-Vac-Syndrom zuverlässig nachgewiesen oder ausgeschlossen werden kann.

Das Bundesministerium für Gesundheit beschreibt das Fehlen verlässlicher objektivierbarer Biomarker ausdrücklich als ein Problem der aktuellen Versorgung.

Genau deshalb wurde das Forschungsprojekt PERCOLATE eingerichtet. Dort werden unter anderem funktionelle Autoantikörper, Durchblutungsparameter und weitere Laborwerte untersucht. Ziel ist es, mögliche Biomarker zu identifizieren und daraus ein diagnostisches Testpanel zu entwickeln.

Die Projektlaufzeit reicht von November 2024 bis Dezember 2028.

Das bedeutet:

Die untersuchten Parameter sind Gegenstand der Forschung. Dass ein Wert untersucht wird oder bereits messbar ist, bedeutet noch nicht, dass er Post-Vac zuverlässig diagnostizieren kann.

Welche Tests werden erforscht?

Zu den derzeit untersuchten Bereichen gehören unter anderem:

  • funktionelle Autoantikörper
  • Entzündungsmarker
  • Immunzellprofile
  • Zytokine und andere Botenstoffe des Immunsystems
  • Gerinnungsparameter
  • Endothel- und Gefäßfunktion
  • Mikrozirkulation
  • verschiedene Proteinmuster
  • mögliche persistierende virale oder antigene Bestandteile

Einzelne Studien berichten Auffälligkeiten in diesen Bereichen.

Die Ergebnisse stammen jedoch häufig aus kleinen und ausgewählten Patientengruppen. Viele Befunde müssen erst in größeren unabhängigen Studien bestätigt werden.

→ Weiterlesen: Mögliche Krankheitsmechanismen – was wird erforscht?

Funktionelle Autoantikörper

Funktionelle Autoantikörper gehören zu den derzeit besonders intensiv untersuchten Biomarkern.

Sie können theoretisch Rezeptoren beeinflussen, die beispielsweise an der Regulation von:

  • Herzfrequenz
  • Blutdruck
  • Gefäßweite
  • Durchblutung
  • autonomem Nervensystem

beteiligt sind.

Im Projekt PERCOLATE wird geprüft, ob bestimmte funktionelle Autoantikörper gemeinsam mit Durchblutungsparametern zur objektiveren Diagnostik von Long COVID und Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung beitragen könnten.

Aktueller Status

Forschung – noch kein allgemein validierter Post-Vac-Diagnosetest.

Ein auffälliger Autoantikörperbefund allein beweist deshalb derzeit weder die Diagnose Post-Vac noch einen ursächlichen Zusammenhang mit einer Impfung.

Spike- und S1-Protein-Tests

Einzelne Forschungsarbeiten haben untersucht, ob Spike- oder S1-Proteinbestandteile bei ausgewählten Betroffenen länger nachweisbar sein können.

Diese Forschung ist noch nicht abgeschlossen.

Aktueller Status

Experimenteller Forschungsbereich.

Der Nachweis eines Spike- oder S1-Proteins ist derzeit kein allgemein etablierter diagnostischer Test für ein Post-Vac-Syndrom.

Aus einem positiven oder negativen Befund lässt sich deshalb nicht zuverlässig ableiten:

  • ob Post-Vac vorliegt
  • wodurch Beschwerden verursacht werden
  • wie schwer eine Erkrankung ist
  • welche Therapie erforderlich ist

Auch die kommerzielle Verfügbarkeit eines Tests bedeutet nicht automatisch, dass seine diagnostische Aussagekraft wissenschaftlich validiert wurde.

„Mikroclots“ und Gerinnungstests

Veränderungen der Gerinnung und sogenannte Mikroclots beziehungsweise amyloidartige Ablagerungen werden sowohl bei Long COVID als auch in ersten Untersuchungen zu Beschwerden nach COVID-19-Impfungen erforscht.

Aktueller Status

Experimentell.

Es gibt derzeit keinen allgemein anerkannten Mikroclot-Test, der ein Post-Vac-Syndrom zuverlässig diagnostiziert.

Ein experimenteller Laborbefund darf deshalb nicht automatisch als Beweis für eine Erkrankungsursache oder als Grundlage für eine intensive gerinnungshemmende Therapie verstanden werden.

Was macht einen diagnostischen Test zuverlässig?

Damit ein Test medizinisch als diagnostischer Biomarker eingesetzt werden kann, reicht es nicht, dass sich bei einigen Betroffenen ein auffälliger Wert findet.

Es muss unter anderem gezeigt werden:

  • dass der Befund zuverlässig messbar ist
  • dass Ergebnisse zwischen Laboren reproduzierbar sind
  • dass Betroffene und Nicht-Betroffene ausreichend sicher unterschieden werden können
  • wie häufig falsch positive Ergebnisse auftreten
  • wie häufig falsch negative Ergebnisse auftreten
  • welche Referenzbereiche gelten
  • ob andere Erkrankungen denselben Befund verursachen können
  • ob der Test einen tatsächlichen medizinischen Nutzen hat

Diese Eigenschaften werden unter anderem mit Sensitivität und Spezifität beschrieben.

Erst wenn ein Test ausreichend validiert wurde, kann beurteilt werden, welchen diagnostischen Stellenwert er tatsächlich besitzt.

Kommerziell verfügbar bedeutet nicht automatisch wissenschaftlich validiert

Gerade bei Erkrankungen, für die noch keine etablierte spezifische Diagnostik existiert, entstehen häufig kommerzielle Testangebote.

Dabei sollte unterschieden werden zwischen:

Messbarkeit: Kann ein Labor einen bestimmten Wert technisch bestimmen?

und

diagnostischer Aussagekraft: Kann dieser Wert zuverlässig zeigen, ob eine bestimmte Erkrankung vorliegt?

Ein Labor kann einen Wert technisch korrekt messen, obwohl noch nicht geklärt ist, welche Bedeutung dieser Wert für Post-Vac besitzt.

Deshalb sollten Ergebnisse spezieller Testverfahren möglichst gemeinsam mit Ärztinnen oder Ärzten eingeordnet werden, die auch andere mögliche Ursachen der Beschwerden berücksichtigen.

Gibt es eine spezifische Post-Vac-Therapie?

Derzeit gibt es keine allgemein anerkannte oder speziell zugelassene medikamentöse Therapie für ein einheitlich definiertes Post-Vac-Syndrom.

Das liegt auch daran, dass:

  • noch keine einheitliche Falldefinition besteht
  • unterschiedliche Beschwerdebilder auftreten
  • mögliche Krankheitsmechanismen noch nicht abschließend geklärt sind
  • verlässliche Biomarker fehlen
  • große kontrollierte Therapiestudien speziell zu Post-Vac bislang fehlen

Das Forschungsprojekt prevCOV untersucht deshalb unter anderem Versorgungsverläufe und mögliche Einflussfaktoren bei Long COVID und gesundheitlichen Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung. Die Projektlaufzeit reicht bis November 2027.

Was kann trotzdem behandelt werden?

Dass es keine spezifische Post-Vac-Therapie gibt, bedeutet nicht, dass Betroffene ohne Behandlungsmöglichkeiten sind.

Medizinisch sinnvoll ist vor allem, konkrete diagnostizierbare Erkrankungen und besonders belastende Symptome zu erkennen und gezielt zu behandeln.

Je nach Befund kann das beispielsweise betreffen:

  • POTS oder andere Formen der Dysautonomie
  • Migräne und andere Kopfschmerzerkrankungen
  • neuropathische Schmerzen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Schlafstörungen
  • gastrointestinale Beschwerden
  • Atemwegserkrankungen
  • Vitamin- oder Mineralstoffmängel
  • andere behandelbare Begleiterkrankungen

Welche Behandlung geeignet ist, hängt von der individuellen Diagnose, möglichen Gegenanzeigen und Begleiterkrankungen ab.

→ Weiterlesen: Untersuchungen symptomorientiert

PEM und Belastungssteuerung

Besondere Vorsicht ist bei Post-Exertional Malaise (PEM) erforderlich.

PEM bedeutet eine oftmals verzögerte und überproportionale Verschlechterung der Beschwerden nach körperlicher, geistiger oder emotionaler Belastung.

Bei ME/CFS gehört PEM zu den zentralen Krankheitsmerkmalen.

Internationale Leitlinien empfehlen bei ME/CFS beziehungsweise postexertioneller Symptomverschlechterung eine individuelle Belastungssteuerung beziehungsweise Pacing, um wiederholte Überlastungen und Verschlechterungen möglichst zu vermeiden.

Feste Trainingsprogramme mit unabhängig von den Symptomen vorgeschriebenen Steigerungen sind bei ME/CFS nicht empfohlen.

Auch die WHO berücksichtigt bei der Rehabilitation von Post-COVID ausdrücklich, ob eine postexertionelle Symptomverschlechterung vorliegt. Körperliches Training soll nicht nach einem Standardschema erfolgen, wenn Belastung die Symptome verschlechtert.

Aktueller Status

Etabliertes Symptommanagement bei PEM – keine Heiltherapie für Post-Vac.

Pacing dient dazu, Überlastung und sogenannte Push-and-Crash-Zyklen zu vermeiden. Es beseitigt nicht automatisch die zugrunde liegende Erkrankung.

→ Weiterlesen: PEM und Pacing

Was bedeutet Off-Label-Behandlung?

Bei einem Off-Label-Use wird ein zugelassenes Arzneimittel außerhalb der Indikation eingesetzt, für die es offiziell zugelassen wurde.

Off-Label bedeutet deshalb nicht automatisch:

  • unwirksam
  • unseriös
  • experimentell im gleichen Sinn wie ein nicht zugelassener Wirkstoff

Es bedeutet aber auch nicht, dass die Wirksamkeit für jede ähnliche Erkrankung nachgewiesen ist.

Für die Anwendung müssen medizinische Nutzen und Risiken individuell beurteilt werden.

Neue Off-Label-Regelungen für Long COVID und ME/CFS seit 2026

Seit dem 11. Juni 2026 sind in Deutschland bestimmte Off-Label-Anwendungen für Long/Post-COVID beziehungsweise postinfektiöse ME/CFS unter festgelegten Voraussetzungen in die Arzneimittel-Richtlinie aufgenommen worden.

Dazu gehören:

Ivabradin für COVID-19-assoziiertes POTS bei bestimmten Patientinnen und Patienten, wenn Betablocker nicht vertragen werden oder nicht geeignet sind

Agomelatin zur Behandlung von Fatigue bei postinfektiöser ME/CFS und bei Long/Post-COVID unter den festgelegten Voraussetzungen

Vortioxetin bei kognitiven Beeinträchtigungen und/oder depressiven Symptomen im Rahmen von Long/Post-COVID

Daneben wurde Metformin für eine klar definierte prophylaktische Anwendung während einer akuten SARS-CoV-2-Infektion bei bestimmten Risikopatientinnen und -patienten aufgenommen, um Long/Post-COVID vorzubeugen.

Wichtig für Post-Vac

Diese Regelungen betreffen Long/Post-COVID beziehungsweise postinfektiöse ME/CFS und konkrete definierte Indikationen.

Sie stellen keine Zulassung oder allgemeine Therapieempfehlung für Post-Vac dar.

Dass sich Symptome überschneiden, reicht nicht aus, um eine für Long COVID vorgesehene Behandlung automatisch auf Post-Vac zu übertragen.

Bei einer diagnostizierten eigenständigen Erkrankung kann dagegen deren jeweilige Behandlung unabhängig vom Sammelbegriff Post-Vac medizinisch relevant sein.

Welche Post-Vac-Therapien werden experimentell diskutiert?

In Forschung, spezialisierten Einrichtungen und im Internet werden verschiedene Verfahren diskutiert.

Dazu gehören beispielsweise Ansätze, die auf:

  • Autoimmunprozesse
  • Immunmodulation
  • Gerinnung
  • Gefäßfunktion
  • Entzündungsprozesse
  • mögliche Antigenpersistenz

zielen.

Je nach vermutetem Mechanismus werden unter anderem Medikamente oder Verfahren aus anderen medizinischen Anwendungsgebieten diskutiert.

Aktueller Status

Für ein einheitlich definiertes Post-Vac-Syndrom fehlt für solche krankheitsmodifizierenden Verfahren bislang in der Regel die Evidenz aus ausreichend großen, kontrollierten klinischen Studien.

Deshalb sollte klar unterschieden werden zwischen:

„Es gibt eine biologische Hypothese.“

„Ein Verfahren wird in einer Studie untersucht.“

„Einzelne Betroffene berichten über eine Besserung.“

und

„Eine Behandlung ist wirksam und ihr Nutzen überwiegt die Risiken.“

Diese Aussagen sind wissenschaftlich nicht gleichwertig.

Immunadsorption, Apherese und andere blutreinigende Verfahren

Verfahren wie Immunadsorption oder andere Aphereseverfahren werden im Zusammenhang mit Autoantikörpern beziehungsweise verschiedenen postakuten Syndromen untersucht und teilweise auch außerhalb kontrollierter Studien angeboten.

Aktueller Status für Post-Vac

Experimentell beziehungsweise nicht ausreichend für eine routinemäßige Post-Vac-Behandlung belegt.

Solche Verfahren sind medizinische Eingriffe mit möglichen Risiken und Kosten. Die bloße Annahme, bestimmte Antikörper seien krankheitsverursachend, reicht nicht aus, um daraus automatisch einen individuellen Nutzen einer Entfernung dieser Antikörper abzuleiten.

Entscheidend wären kontrollierte Studien, die zeigen, dass eine Behandlung nicht nur Laborwerte verändert, sondern den Gesundheitszustand der Betroffenen tatsächlich relevant und möglichst dauerhaft verbessert.

Gerinnungshemmende Behandlungen

Aus Forschungsarbeiten zu Gerinnungsveränderungen und sogenannten Mikroclots werden teilweise Behandlungsansätze mit gerinnungshemmenden Medikamenten abgeleitet.

Aktueller Status für Post-Vac

Keine allgemeine Post-Vac-Therapie.

Gerinnungshemmende Arzneimittel können erhebliche Blutungsrisiken haben und sollten nur bei einer medizinisch begründeten Indikation eingesetzt werden.

Ein experimenteller Mikroclot-Befund allein ist keine etablierte Grundlage für eine intensive gerinnungshemmende Behandlung.

Therapien zur angeblichen „Spike-Elimination“

Teilweise werden Behandlungen mit dem Ziel angeboten, Spike-Protein oder vermeintlich persistierende Impfbestandteile aus dem Körper zu entfernen oder abzubauen.

Aktueller Status

Nicht als spezifische Post-Vac-Therapie wissenschaftlich etabliert.

Die Frage, ob bei einer Untergruppe von Betroffenen bestimmte Antigenbestandteile länger nachweisbar sind und welche biologische Bedeutung dies hat, wird noch erforscht.

Aus dieser Forschungsfrage lässt sich derzeit kein allgemeiner Bedarf an einer sogenannten Spike-Ausleitung oder Spike-Elimination ableiten.

Wie kann man die Evidenz einer Therapie einschätzen?

Nicht jede wissenschaftliche Veröffentlichung beantwortet dieselbe Frage.

Eine grobe Orientierung:

Fallbericht

Eine einzelne Person wird beschrieben.

Kann einen Hinweis liefern, beweist aber keine allgemeine Wirksamkeit.

Fallserie

Mehrere behandelte Personen werden beschrieben.

Kann Muster zeigen, aber häufig fehlt eine unbehandelte Vergleichsgruppe.

Beobachtungsstudie

Patientengruppen werden systematisch untersucht.

Kann Zusammenhänge zeigen, aber Kausalität bleibt oft unsicher.

Kontrollierte klinische Studie

Eine Behandlung wird mit einer Vergleichsgruppe untersucht.

Erlaubt eine wesentlich bessere Bewertung des tatsächlichen Behandlungseffekts.

Randomisierte kontrollierte Studie

Die Zuordnung zur Behandlung erfolgt zufällig.

Sie gehört zu den wichtigsten Methoden zur Prüfung der Wirksamkeit einer Therapie.

Replikation und systematische Bewertung

Ergebnisse werden von unabhängigen Forschungsgruppen bestätigt und gemeinsam ausgewertet.

Erst dadurch wird die Evidenz zunehmend belastbar.

Besonders bei komplexen chronischen Erkrankungen können kleine unkontrollierte Studien oder einzelne Erfolgsgeschichten vielversprechend wirken, ohne dass bereits feststeht, ob die Behandlung tatsächlich verantwortlich für die beobachtete Besserung war.

Woran erkennt man überzogene Versprechen?

Bei diagnostischen oder therapeutischen Angeboten ist besondere Vorsicht sinnvoll, wenn:

  • ein einzelner Laborwert als sicherer Beweis für Post-Vac dargestellt wird
  • ein Test gleichzeitig Diagnose, Ursache und passende Therapie liefern soll
  • aus einer kleinen Studie eine „bewiesene Ursache“ abgeleitet wird
  • Heilung oder eine sehr hohe Erfolgsquote versprochen wird
  • Risiken und Unsicherheiten kaum genannt werden
  • die Behandlung vor allem mit Erfahrungsberichten beworben wird
  • sehr hohe private Kosten entstehen, ohne dass belastbare Wirksamkeitsdaten vorliegen
  • behauptet wird, eine bestimmte Behandlung müsse möglichst schnell durchgeführt werden, obwohl keine entsprechende medizinische Notfallsituation besteht

Seriöse medizinische Information macht kenntlich, was bekannt ist und was noch nicht bekannt ist.

Fragen, die vor einer experimentellen Behandlung sinnvoll sind

Vor einer nicht etablierten oder privat zu zahlenden Behandlung können folgende Fragen bei der Einordnung helfen:

  • Welche genaue Diagnose soll behandelt werden?
  • Welcher Krankheitsmechanismus wird angenommen?
  • Wie sicher ist dieser Mechanismus bei mir nachgewiesen?
  • Welche Studien zeigen einen klinischen Nutzen?
  • Gab es eine Kontrollgruppe?
  • Wie groß waren die Studien?
  • Wurde das Ergebnis unabhängig bestätigt?
  • Welche Nebenwirkungen und Risiken gibt es?
  • Welche Alternativen bestehen?
  • Ist die Behandlung Bestandteil einer klinischen Studie?
  • Welche Kosten entstehen?
  • Was geschieht, wenn die Behandlung nicht hilft oder Beschwerden verschlechtert?

Diese Fragen ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung, können aber helfen, Nutzen und Unsicherheiten besser voneinander zu trennen.

Der aktuelle Wissensstand in Kürze

Gesichert: Es gibt derzeit keinen einzelnen allgemein validierten Biomarker und keine spezifisch zugelassene Therapie für ein einheitlich definiertes Post-Vac-Syndrom.

Etabliert: Konkrete diagnostizierte Erkrankungen und einzelne Symptome können entsprechend der jeweiligen medizinischen Standards behandelt werden. Bei PEM beziehungsweise ME/CFS ist eine individuelle Belastungssteuerung wichtig.

Off-Label: Für Long/Post-COVID und bestimmte postinfektiöse Krankheitsbilder gelten seit Juni 2026 in Deutschland konkrete Off-Label-Regelungen. Diese können nicht automatisch auf Post-Vac übertragen werden.

In Forschung: Funktionelle Autoantikörper, Immun- und Entzündungsparameter, Gefäßfunktion, Mikrozirkulation, Gerinnung und weitere mögliche Biomarker werden wissenschaftlich untersucht.

Experimentell oder ungeklärt: Spezielle Autoantikörper-, Spike-, S1- oder Mikroclot-Befunde sind derzeit keine allgemein validierten Post-Vac-Diagnosetests. Daraus abgeleitete krankheitsmodifizierende Therapien sind für Post-Vac bislang nicht allgemein als wirksam belegt.

Für Postvacinfo gilt deshalb:

Behandelbare Erkrankungen gezielt behandeln – experimentelle Verfahren als experimentell kennzeichnen – und aus einem Forschungsbefund keine gesicherte Diagnose oder Therapie ableiten.

Mehr zum Thema


Stand der Informationen: August 2026

Quellenbasis

Quellen
Stand der Aktualisierung: 2026-08-14Autor: Redaktion Postvacinfo
Medizinischer Hinweis
Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

Vollständige Pflichtangaben und Haftungsausschluss im Impressum.