Bekannte seltene Nebenwirkungen und Impfkomplikationen

Stand der Forschung

Welche seltenen Nebenwirkungen und Impfkomplikationen für COVID-19-Impfstoffe wissenschaftlich und regulatorisch anerkannt sind – und warum das nicht dasselbe wie Post-Vac ist.

NebenwirkungenMyokarditisPerikarditisTTSVITTGuillain-Barré-Syndrom

COVID-19-Impfstoffe können – wie andere Impfstoffe und Arzneimittel – Nebenwirkungen verursachen. Die meisten bekannten Impfreaktionen sind vorübergehend. Daneben wurden im Verlauf der Sicherheitsüberwachung auch seltene und sehr seltene schwerwiegende Nebenwirkungen erkannt.

Für einige dieser Krankheitsbilder ist ein Zusammenhang mit bestimmten COVID-19-Impfstoffen wissenschaftlich und regulatorisch anerkannt.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig:

Eine bekannte seltene Impfnebenwirkung ist nicht dasselbe wie der unspezifische länger anhaltende Beschwerdekomplex, der als Post-Vac bezeichnet wird.

Auf dieser Seite werden deshalb nur wichtige, von Arzneimittelbehörden anerkannte seltene Nebenwirkungen und Impfkomplikationen dargestellt. Die Auflistung ersetzt nicht die aktuelle Fach- oder Gebrauchsinformation des jeweiligen Impfstoffs.

Nebenwirkungen sind impfstoffspezifisch

Nicht jede bekannte Nebenwirkung betrifft jeden COVID-19-Impfstoff.

Während der Impfkampagnen wurden unterschiedliche Impfstofftypen eingesetzt:

  • mRNA-Impfstoffe, insbesondere Comirnaty und Spikevax
  • proteinbasierte Impfstoffe wie Nuvaxovid
  • früher eingesetzte Vektorimpfstoffe wie Vaxzevria und Jcovden

Die Sicherheitsprofile unterscheiden sich.

Deshalb ist für die medizinische Einordnung wichtig, welcher Impfstoff zu welchem Zeitpunkt verabreicht wurde.

Myokarditis und Perikarditis

Myokarditis ist eine Entzündung des Herzmuskels.

Perikarditis ist eine Entzündung des Herzbeutels.

Für die mRNA-Impfstoffe Comirnaty und Spikevax ist ein erhöhtes Risiko für Myokarditis und Perikarditis als sehr seltene Nebenwirkung anerkannt.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA beschreibt diese Ereignisse als sehr selten. Bei Comirnaty sind Myokarditis und Perikarditis in der Produktinformation mit einer Häufigkeit von bis zu 1 von 10.000 Geimpften aufgeführt.

Die Fälle wurden insbesondere beobachtet:

  • häufiger bei jüngeren männlichen Personen
  • häufiger nach der zweiten Impfdosis
  • meist innerhalb der ersten Tage beziehungsweise innerhalb von etwa zwei Wochen nach der Impfung

Auch nach weiteren Impfdosen können Fälle auftreten.

Bei Nuvaxovid wurden ebenfalls Myokarditis und Perikarditis beobachtet. Die EMA führt diese Ereignisse in den Sicherheitsinformationen des Impfstoffs auf; die Zahl der beobachteten Fälle ist sehr klein.

Mögliche Warnzeichen

Beschwerden wie

  • Brustschmerzen
  • Atemnot
  • starkes oder unregelmäßiges Herzklopfen

sollten insbesondere bei zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung ärztlich abgeklärt werden.

Bei akuten oder starken Beschwerden ist eine rasche medizinische Abklärung erforderlich.

Anaphylaxie

Eine Anaphylaxie ist eine schwere allergische Sofortreaktion.

Sehr seltene anaphylaktische Reaktionen wurden nach verschiedenen COVID-19-Impfstoffen beobachtet und sind als bekannte mögliche Nebenwirkung berücksichtigt.

Anzeichen können unter anderem sein:

  • Atemnot
  • Schwellungen im Bereich von Gesicht, Mund oder Rachen
  • Kreislaufabfall
  • ausgeprägte allergische Hautreaktionen

Anaphylaktische Reaktionen treten typischerweise kurz nach der Verabreichung auf. Deshalb werden Impfungen unter Bedingungen durchgeführt, unter denen eine schwere allergische Reaktion medizinisch behandelt werden kann.

Wer nach einer vorherigen Dosis eine schwere allergische Reaktion auf den Impfstoff oder einen seiner Bestandteile hatte, benötigt vor weiteren Impfungen eine individuelle ärztliche Beurteilung.

Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS / VITT)

Eine besonders wichtige seltene Komplikation wurde bei den früher eingesetzten Vektorimpfstoffen Vaxzevria von AstraZeneca und Jcovden von Janssen festgestellt.

Das Krankheitsbild wird als Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) bezeichnet. In der medizinischen Literatur wird auch der Begriff VITT – Vaccine-induced Immune Thrombotic Thrombocytopenia verwendet.

Dabei treten zwei Veränderungen gemeinsam auf:

  • Blutgerinnsel beziehungsweise Thrombosen
  • gleichzeitig eine verminderte Zahl von Blutplättchen (Thrombozytopenie)

Die Thrombosen können auch an ungewöhnlichen Stellen auftreten, beispielsweise in Hirnvenen oder Gefäßen des Bauchraums.

Die EMA hat TTS als sehr seltene Nebenwirkung von Vaxzevria und Jcovden anerkannt.

Bei Vaxzevria wurden die Fälle überwiegend innerhalb der ersten drei Wochen nach der Impfung beobachtet.

Wichtig

TTS/VITT ist nicht mit jeder gewöhnlichen Thrombose nach einer Impfung gleichzusetzen.

Für die Diagnose sind das charakteristische klinische Bild sowie Blut- und Gerinnungsbefunde entscheidend.

Mechanistische Untersuchungen (Aid et al. 2023, Nature Communications) beschreiben bei TTS-Fällen eine Aktivierung von Gerinnungs- und Entzündungswegen. Diese Arbeit betrifft ausdrücklich die definierte seltene Impfkomplikation TTS/VITT und darf nicht auf chronische, unspezifische Beschwerden nach Impfung verallgemeinert werden.

Forschung zu Gerinnung und sogenannten „Mikrogerinnseln" — klar von TTS/VITT zu unterscheiden

Neben der etablierten, regulatorisch anerkannten Impfkomplikation TTS/VITT gibt es einen davon unabhängigen, explorativen Forschungsbereich zu Gerinnungsveränderungen bei länger anhaltenden Beschwerden nach COVID-19-Impfung. Eine kleine Proteomikstudie (Waters et al. 2026) fand Unterschiede in Proteinmustern von aus plättchenarmem Plasma isolierten Ablagerungen — häufig vereinfacht als „Mikroclots" oder „Mikrogerinnsel" bezeichnet — bei einer kleinen postvakzinal eingeordneten Gruppe gegenüber Kontrollen.

Wichtig für die Einordnung: Diese Ergebnisse benötigen unabhängige Replikation und begründen keinen etablierten „Microclot"-Diagnosetest. Ein experimenteller Laborbefund aus dieser Forschungsrichtung ist keine Grundlage für eine gerinnungshemmende Behandlung außerhalb einer medizinisch begründeten Indikation.

→ Wissenschaftliche Studien zu Gerinnung im Detail ansehen

Guillain-Barré-Syndrom

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene neurologische Erkrankung, bei der das Immunsystem Strukturen des peripheren Nervensystems angreift.

Mögliche Beschwerden sind beispielsweise:

  • zunehmende Muskelschwäche
  • Kribbeln oder Missempfindungen
  • aufsteigende Lähmungserscheinungen
  • in schweren Fällen Beeinträchtigung der Atemmuskulatur

Die EMA hat das Guillain-Barré-Syndrom als sehr seltene Nebenwirkung der früher eingesetzten Vektorimpfstoffe Vaxzevria und Jcovden eingestuft.

Neu auftretende oder rasch zunehmende Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen erfordern eine umgehende medizinische Abklärung.

Kapillarlecksyndrom

Das Kapillarlecksyndrom (Capillary Leak Syndrome, CLS) ist eine sehr seltene Erkrankung, bei der Flüssigkeit aus kleinen Blutgefäßen in das umliegende Gewebe austritt.

Mögliche Folgen sind unter anderem:

  • plötzlich auftretende Schwellungen
  • niedriger Blutdruck
  • Eindickung des Blutes
  • Kreislaufprobleme

Das Kapillarlecksyndrom wurde von der EMA als sehr seltene Nebenwirkung der früher eingesetzten Vektorimpfstoffe Vaxzevria und Jcovden berücksichtigt.

Aufgrund der möglichen Schwere des Krankheitsbildes war eine frühere Episode eines Kapillarlecksyndroms bei diesen Impfstoffen eine Gegenanzeige.

Weitere seltene bekannte Nebenwirkungen

Im Verlauf der europäischen Arzneimittelüberwachung wurden bei einzelnen Impfstoffen weitere seltene oder sehr seltene Nebenwirkungen in die Produktinformationen aufgenommen.

Bei den früher eingesetzten Vektorimpfstoffen gehörten dazu beispielsweise:

  • Immunthrombozytopenie
  • bei Jcovden venöse Thromboembolien
  • transverse Myelitis

Auch bei aktuell zugelassenen Impfstoffen enthalten die Fach- und Gebrauchsinformationen weitere seltene unerwünschte Wirkungen.

Diese Seite konzentriert sich bewusst auf die medizinisch besonders relevanten und gut belegten schwerwiegenden Komplikationen. Für eine vollständige Liste ist immer die aktuelle Fachinformation des konkreten Impfstoffs maßgeblich.

Die früheren Vektorimpfstoffe werden in der EU nicht mehr eingesetzt

Vaxzevria und Jcovden spielten insbesondere in den ersten Jahren der COVID-19-Impfkampagne eine Rolle.

Die EU-Zulassung von Vaxzevria wurde im März 2024 und die von Jcovden im Juli 2024 auf Antrag der jeweiligen Zulassungsinhaber zurückgenommen.

Das ändert nichts daran, dass die damals festgestellten Nebenwirkungen für Menschen, die mit diesen Impfstoffen geimpft wurden, weiterhin relevant sein können – beispielsweise bei der Auswertung früherer Krankenunterlagen oder bei der medizinischen und rechtlichen Einordnung eines damaligen Krankheitsereignisses.

Verdachtsmeldung und bestätigte Nebenwirkung sind nicht dasselbe

Arzneimittelbehörden wie das Paul-Ehrlich-Institut und die EMA sammeln Meldungen über gesundheitliche Ereignisse, die nach einer Impfung aufgetreten sind.

Solche Meldungen sind zunächst Verdachtsfälle.

Eine Verdachtsmeldung bedeutet:

Das Ereignis ist nach der Impfung aufgetreten und ein Zusammenhang wird geprüft.

Sie bedeutet nicht automatisch:

Die Impfung hat das Ereignis verursacht.

Um festzustellen, ob ein Sicherheitssignal besteht, werden unter anderem berücksichtigt:

  • Anzahl und Art der Meldungen
  • zeitlicher Abstand zur Impfung
  • medizinische Befunde
  • bekannte Hintergrundhäufigkeit einer Erkrankung
  • epidemiologische Studien
  • biologische Plausibilität
  • Daten aus anderen Ländern
  • Wiederholbarkeit der Beobachtung

Erst die Gesamtheit der Daten ermöglicht eine wissenschaftliche Bewertung.

Was bedeutet „anerkannt als Nebenwirkung“?

Wenn eine Nebenwirkung in die Fach- und Gebrauchsinformation eines Impfstoffs aufgenommen wird, bedeutet dies, dass die zuständigen Arzneimittelbehörden die vorhandenen Daten bewertet und einen Zusammenhang als ausreichend begründet ansehen.

Das ist ein anderer wissenschaftlicher Status als bei einem lediglich gemeldeten Verdachtsfall.

Auch daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass ein konkreter Einzelfall durch die Impfung verursacht wurde. Die individuelle medizinische Beurteilung bleibt erforderlich.

Warum diese Unterscheidung für Post-Vac wichtig ist

Für einige konkrete Erkrankungen – etwa Myokarditis und Perikarditis nach bestimmten Impfstoffen oder TTS/VITT nach den früheren Vektorimpfstoffen – bestehen anerkannte Sicherheitssignale.

Der breite länger anhaltende Symptomkomplex, der als Post-Vac bezeichnet wird, ist dagegen bislang nicht in gleicher Weise als einheitliche Impfnebenwirkung definiert und kausal bestätigt.

Deshalb sollten zwei Aussagen nicht miteinander verwechselt werden:

Bestimmte seltene Impfkomplikationen sind wissenschaftlich nachgewiesen.

und

Nicht jede nach einer Impfung auftretende länger anhaltende Erkrankung ist deshalb automatisch eine nachgewiesene Impfkomplikation.

Umgekehrt bedeutet die fehlende einheitliche Anerkennung eines Post-Vac-Syndroms nicht, dass individuelle Beschwerden nicht ernst genommen oder medizinisch abgeklärt werden sollten.

Der aktuelle Wissensstand in Kürze

Gesichert: Für bestimmte COVID-19-Impfstoffe sind einzelne seltene oder sehr seltene schwerwiegende Nebenwirkungen wissenschaftlich und regulatorisch anerkannt.

Impfstoffspezifisch: Myokarditis und Perikarditis sind insbesondere als sehr seltene Nebenwirkungen der mRNA-Impfstoffe Comirnaty und Spikevax bekannt. TTS/VITT und Guillain-Barré-Syndrom wurden insbesondere mit den früher verwendeten Vektorimpfstoffen Vaxzevria und Jcovden in Verbindung gebracht und regulatorisch anerkannt.

Wichtig für die Einordnung: Eine bekannte Impfnebenwirkung muss anhand des tatsächlich verabreichten Impfstoffs, des zeitlichen Verlaufs und der medizinischen Befunde beurteilt werden.

Nicht gleichzusetzen: Die nachgewiesenen seltenen Impfkomplikationen dürfen nicht mit dem bislang uneinheitlich definierten Post-Vac-Beschwerdekomplex gleichgesetzt werden.

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Stand der Informationen: August 2026

Quellenbasis

Stand der Aktualisierung: 2026-08-14Autor: Redaktion Postvacinfo
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